Der deutsch-französische Künstler Edouard Baribeaud hat exklusiv für XUITS zum Thema „Dandyism“ fünf spannende Schaufenstermotive gestaltet. Im Herbst/Winter 2013 werden sie in allen XUITS-Filialen zu sehen sein!

Wir sprachen mit dem Künstler, der an der École Nationale Supérieure des Arts Décoratifs in Paris studiert hat, über den modernen Dandy, über Ausstrahlung und innere Größe und warum Künstler keine Anzüge tragen.

 

Luxusmarken wie Louis Vuitton oder Hermès kooperieren heute zunehmend mit namhaften Designern und Künstlern. Wie empfanden Sie die Zusammenarbeit mit XUITS: als Herausforderung für einen Künstler? 

Ich komme von der angewandten Kunst, ich habe Grafikdesign und Drucktechnik studiert. Künstlerisch stellen solche Kollaborationen für mich denn auch keine Gratwanderung dar. Allerdings versuche ich schon immer, frei zu bleiben und eine Ebene zu finden, die beide Seiten glücklich macht. So war es auch jetzt. In den Bildern sollten Anzüge, Stoffe, Eleganz und Mode wiederzufinden sein,  die gleichzeitig losgelöst in eine andere Welt transportiert werden. Entscheidend war für mich dabei, eine Spannung zwischen der Marke XUITS und den jetzt in den Schaufenstern präsentierten Bildern zu schaffen.

 

Ihre Bilder für XUITS stehen unter dem Motto DANDYISMUS. Was macht DANDYISMUS für Sie aus?

Also, die Figur des Dandys finde ich sehr interessant. So sehr, dass ich ihn jüngst sogar in einem Kinderbuchprojekt aufgegriffen habe. Es ist diese Mischung aus Eleganz und Verrücktheit, die mich begeistert und die ich auch für XUITS umgesetzt habe.

 

Warum haben Sie die Gesichter der Figuren teilweise ausgespart, durch Masken und andere Elemente ersetzt?

Jede der Figuren stellt einen eigenen Charakter dar. So wie im wirklichen Leben haben manche einen starken Charakter und sind sehr präsent. Andere sind eher unsichtbar und verstecken sich hinter einer Maske. Was die Personen in den Bildern vereint, sind ihre Anzüge und eine gewisse Eleganz. Ursprünglich wollte ich die Anzüge noch stärker hervorheben, aber das wäre nicht realistisch gewesen. Wichtig war mir die Frage der Persönlichkeit und was sie versteckt. Denn ein Anzug ist ja immer auch eine Uniform, hinter der man sich verstecken kann. Eleganz wird hier mit Details, mit Kleinigkeiten wie dem Einstecktuch, den knalligen Socken oder einer Schleife hervorgehoben – da liegt die Originalität.

Wofür steht der Rauch? Das Lebensgefühl des Dandyismus? Oder Reminiszenz an Ihre Heimat Frankreich?

Eher ist es vielleicht ein Dunst oder Schleier. Ich hatte an Charles Baudelaire und Oscar Wilde gedacht. Die Idee von Rauchwolken, die ja irgendwie elegant sind, aber auch sehr luftig. Es ist eine Metapher für den Dandy, der Präsenz und Eleganz mit einer gewissen Lässigkeit seines Wesens vereint.

 

Oscar Wilde und Charles Baudelaire werden in Sachen Dandy oft zitiert... In Deutschland brachte in den 1990er Jahren die Popliteratur dem Dandyismus ein sachtes Comeback. Wie verhält es sich im Jahr 2013 mit dem Dandyismus? 

Schwer zu sagen. Auf jeden Fall sollte der Dandy nicht mit dem Hipster verwechselt werden. Der wirkt oft weniger elegant als gewollt, wie in ein Kostüm gesteckt.

 

Ein Dandy muss persönliche Ausstrahlung mitbringen?

Unbedingt! Es geht ja nicht bloß um äußere Eleganz, sondern immer auch um eine innere Größe. Selbst der nicht unbedingt perfekt gekleidete Dandy strahlt noch Größe aus. Also ich habe viele Stadtstreicher in Paris gesehen, die in ihren einfachen Klamotten großartig elegant aussahen. Die Kostbarkeit der Stoffe ist eben nicht allein entscheidend. Es ist immer auch das Nach-Außen-Tragen eines persönlichen Stils.

Der deutsch-französische Künstler Edouard Baribeaud

Schon seit einigen Jahren sind Sie in Berlin. Wie erleben Sie den Stil der Deutschen als Franzose, der ja gemeinhin für seinen guten Kleidungsstil bekannt ist?

Da Berlin kaum mit dem Rest der Republik zu vergleichen ist, kann ich es schwer sagen. In Berlin spielt tatsächlich Coolness eine Rolle – man hat wenig Geld und überspielt es. In der Kunstszene verhält es sich im Grunde so, dass zu elegant Gekleidete gar nicht wirklich ernst genommen werden. Die Vorstellung, zu meiner nächsten Vernissage im Anzug mit Krawatte und Einstecktuch aufzutauchen – undenkbar!

 

Steht man da nicht drüber?

Nicht jeder ist ein Dandy. So schön es ist, wenn Leute einen sehr auffallenden und persönlichen Stil pflegen. Ich bin eher eine zurückhaltende Person. Desto älter ich werde, desto mehr Lust verspüre ich aber, mich ernsthaft mit Stoffen zu beschäftigen, die irgendwann zu einem Anzug werden könnten.

Die Zeichentechnik, die Sie für DANDYISMUS benutzten, ist in vielen Ihrer Arbeiten zu finden. Warum haben Sie die für die XUITS-Bilder gewählt?

Jede Geschichte – jedes Projekt erzeugt eine eigene Sprache. Für XUITS habe ich abstrakte Flächen mit einem sehr feinen Zeichnungsstil verbunden, der an alte Gravuren erinnert und durch die poppigen Farben sozusagen im 21. Jahrhundert ankommt. Es ging mir darum, eine Brücke zwischen den alten Dandys und unserer Zeit zu bauen.

 

Sie sind Künstler und schätzen vermutlich Bewegungsfreiheit und Leichtigkeit.  Aber wie wäre es mit einem Anzug?

Aus praktischen Gründen stand bei mir ein Maßanzug bisher in der Tat nicht auf der Agenda – aber vielleicht versuche ich es jetzt mit einem von XUITS!

 

Vielen Dank für das Gespräch!

Im Folgenden sehen Sie die fünf Bilder, die der Künstler exklusiv für XUITS gestaltet hat.

Edouard Baribeaud für XUITS 1


Edouard Baribeaud für XUITS 2


Edouard Baribeaud für XUITS 3


Edouard Baribeaud für XUITS 4


Edouard Baribeaud für XUITS 5

Mehr Informationen zu dem Künstler und seinem neuen Buch "Au Pavillon des Lauriers" finden Sie hier: http://www.nieves.ch/catalogue/edouard2.html

 
[Interview: Dr. Peter Henssen, Bilder: Maxime Ballesteros]