Der Journalist und Stilberater Florian S. Küblbeck brachte vor Kurzem das Buch „Was Mann trägt – gut angezogen in 12 Schritten im C.H.Beck Verlag heraus. Wir sprachen mit dem Autor darüber, was ein gut angezogener Mann heute trägt, welcher Trend die Männermode beeinflusst und ob sich Stil wirklich lernen lässt.

HINWEIS: Am 6. Februar 2014 um 19 Uhr trägt der Stilexperte Küblbeck aus seinem aktuellen Titel „Was Mann trägt" in der Münchner XUITS-Filiale vor und hat dabei viel Wissenswertes und Amüsantes aus Geschichte und Gegenwart der Herrenmode zu berichten. Die Lesung findet in der XUITS-Filiale in der Schäfflerstraße 5a in München statt, der Eintritt ist frei.

Herr Küblbeck, gerade erschien Ihr Buch „Was Mann trägt" auf den Markt. Wie kamen Sie dazu, sich für Männermode und Stil zu interessieren? 

Ich beschäftige mich schon seit etwa zehn Jahren mit Mode wenn auch in unterschiedlichen Ausprägungen. Für mich ist Kleidung nicht einfach Nebensache, schließlich können wir alle nur in den wenigsten Fällen nackt außer Haus gehen. Sie ist also zuerst Notwendigkeit und dann eben auch ein schöner Zeitvertreib von ihrem kommunikativen Potenzial ganz zu schweigen.

 

Ihr Buch will Ratgeber sein, um Männern einen einfacheren Umgang mit Mode zu ermöglichen. Doch lässt sich Stil wirklich lernen?

Das kommt darauf an, wie man Stil definiert. Wer sich gut zu kleiden weiß, muss noch lange nicht in anderen Belangen als stilvoll gelten. Darum geht es in meinem Buch aber auch gar nicht. Meine Absicht war ganz einfach, eine möglichst klar zu überschauende und tatsächlich täglich nutzbare Basisgarderobe zu entwerfen. 

 

Sie geben auch Stil- und Genuss-Seminare. Welche Fragen begegnen Ihnen dabei am häufigsten? 

Ich werde gerne gefragt, ob man dieses oder jenes Teil denn aktuell tragen könne. Darauf kann ich immer nur erwidern, dass man grundsätzlich eigentlich alles tragen kann, wenn man es für sich und seine Umwelt irgendwie plausibel zu machen weiß. 

 

Was trägt ein gut angezogener Mann? Oder anders gefragt: Wie kleidet sich ein urbaner Gentleman heute?

Ein gut angezogener Mann lässt sich nicht zu sehr beeindrucken, in jeder Hinsicht. Weder übertriebener Fortschrittsdrang noch vehemente Gestrigkeit sind der Schlüssel zu einem guten Look, sondern ein sicheres Gespür dafür, welche Teile in der eigenen Garderobe notwendig, sinnvoll und angemessen sind.

 

Schaut man sich im Stadtbild um, kann man manchmal den Eindruck gewinnen, dass der deutsche Mann Nachhilfe in Sachen Mode und Eleganz braucht. Sind Sie auch dieser Meinung?

Ja und nein. Ich glaube, dass sehr viel mehr Männer sich für Kleidung interessieren, als wir alle glauben. Die meisten trauen sich aber nicht, das zuzugeben in der Regel aus Angst vor der Meinung anderer oder aus Angst vor irgendwelchen Stilregeln. Beide Ängste kann und sollte man ablegen. Das heißt nicht, dass Männermode ohne Regeln funktioniert diese Regeln sind aber viel einfacher zu meistern als häufig angenommen. 

„Die meisten Männer trauen sich nicht zuzugeben, dass sie sich für Kleidung interessieren"

 

Sie sind Experte in Sachen Männer-Chic. Gibt es einen bestimmten Trend, der die Männermode am stärksten beeinflusst hat?

Wenn es eine Konstante in der Männermode gibt, dann ist es die Tendenz zur Lässigkeit. Kleidung entwickelt sich entlang ihres eigenen Formalitätsgrades stets abwärts, wobei die ausgefallenen Kleidungsstücke von jeweils darunter liegenden vollständig ersetzt werden. Um es an einem Beispiel zu verdeutlichen: Der dunkelblaue Anzug ist für viele Männer heute so formell, wie es früher der Smoking war, der wiederum den Frack abgelöst hat.

 

Es scheint fast so, als sei die Generation 30 plus wieder stärker an Klassik, Individualität und Eleganz interessiert. Woher kommt dieser Wunsch Ihrer Meinung nach?

Früher wurden junge Männer praktisch von selbst in Sachen Kleidung und Stil sozialisiert ihre eigenen Väter waren Vorbilder in Sachen Schuheputzen, Krawattenknoten und Kleiderbürsten. Mindestens eine Generation von Männern hat aber versäumt, dieses Wissen an ihre Sprösslinge weiterzugeben, was man eben jetzt daran erkennen kann, dass diese jetzt erwachsenen Männer eine neue, bisher nie dagewesene Sehnsucht nach eben jenen Qualifikationen verspüren. Davon profitieren nicht zuletzt die so lange totgesagten Maßschneider.

 

Welche drei Grundregeln gilt es bei der Auswahl und dem Styling für den Mann zu beachten?

1. Passform

2. Passform

3. Passform

Erst danach sollte man sich über alles andere Gedanken machen. Wenn Kleidung darüber hinaus zum Träger und seiner Persönlichkeit passt, schadet das natürlich nicht. 


Florian S. Küblbeck: Was Mann trägt