Michael Sieger ist der kreative Kopf hinter der Marke SIEGER, die seit 2005 für Luxus, Qualität und Stil steht und von Herrenmode und Porzellan bis hin zu Teppichen inzwischen eine ganze Lifestyle-Welt darstellt. Entwickelt werden die unterschiedlichen Produkte auf dem im Münsterland gelegenen Schloss Harkotten, einem Ort der Inspiration und kulturellen Anker für die Entfaltung der einzelnen Kollektionen – eben Design „made in Germany“. Mit Michael Sieger sprachen wir über die neue Frühjahrs-Kollektion, Stil und das Modebewusstsein deutscher Männer.

Herr Sieger, die Eckpfeiler der SIEGER Philosophie sind Luxus, Qualität, Kultur und Stil. Luxus wird überall großgeschrieben, geht aber heutzutage nicht unbedingt mit Kultur und Stil einher. Wie drückt sich diese Kombination aus Werten in Ihren Produkten aus? 

SIEGER ist eine Premiummarke, bei der alle Kollektionen höchste Ansprüche an Materialität, Funktionalität aber auch insbesondere an Emotionalität erfüllen. Jeder fein gemusterte Anzug und jede Pochette spiegelt unsere persönliche Vision von hochwertiger Mode wider. Der Ausdruck Luxus ist dabei keine Worthülse und wird nicht im üblichen Sinne von Exklusivität verstanden. Der Begriff meint eine lebensbejahende Qualität. Jedes Produkt ist seinen Preis wert. Luxus heißt auch, den Menschen die Zeit zu geben, die sie brauchen, um diese Qualität herzustellen – und dies entsprechend zu honorieren. Bei SIEGER werden die sorgfältig erlesenen Stoffe ausschließlich in deutschen und italienischen Manufakturen verarbeitet.

Sie sind bekannt durch Ihr Porzellan, die Möbel und Teppiche, also Dinge, die im weitesten Sinne zur Inneneinrichtung gehören. Wie passt da Sieger Couture hinein?

Die Kollektionen sind eher persönlich motiviert. Es fehlte uns einfach etwas in der Herrenmodewelt. Sie ist längst nicht so individuell und detailreich wie die der Damen. Wir haben auch hier die Chance genutzt, Produkte zu entwerfen, die wir selbst schon immer gesucht, aber nie gefunden haben. Das Leben der Männer mit individuellen Akzenten zu bereichern – das ist schließlich unser Antrieb, unsere Leidenschaft. Dabei sind wir zunächst mit Accessoires wie Krawatten oder Manschettenknöpfen gestartet. Seit 2008 gehören ebenso Anzüge, Blazer, Mäntel oder Schals dazu.

„Es gibt zu viele gedeckte Farben"

 

Vorreiter der saisonalen Kollektion war entsprechend dem Slogan „Das Leben ist zu reich, um es mit wenigen Farben zu erfassen" ein sehr umfangreiches Never-out-of-Stock Angebot mit unifarbenen Krawatten, die Sie inzwischen auch um Socken erweitert haben. Ist die Farbenvielfalt Ausdruck von Lebensfreude und gleichzeitig Markenzeichen von SIEGER?

Ja, absolut. Weil genau das die Charakteristika sind, die in der Herrenmode fehlen. Es gibt viel zu viele monochrome Dessins und gedeckte Farben. Wie gesagt: Ich habe meine Frau früher immer beneidet, weil die Damenmode viel heterogener ist als die der Herren. Unsere Marke steht für Lebensfreude und Individualität. Sie grenzt sich letztlich auch durch die Farben und Muster von vielen anderen ab, die vermehrt Blau, Grau und Schwarz einsetzen.

Die neue F/S Kollektion 2014 zeigt sich gewohnt lebendig und temperamentvoll und ist an das indische „Festival of Colours“ angelehnt. Ist der Gentleman von heute in seinem modischen Auftreten mutig, weltläufig und damit auch farbenfroh? 

Definitiv. Wir erleben immerzu, dass Männer Spaß an Farbe und Mustern haben. Besonders spannend finde ich, klassische Dessins oder Symbole wiederzuerwecken und neu zu interpretieren. In unserer aktuellen Frühjahr/Sommer-Kollektion mixen wir zum Beispiel Paisley-Muster mit anderen Grafiken.

Immer mehr Männer tragen inzwischen Maßanzüge, wie wichtig ist die perfekte Passform für einen gelungenen Auftritt?

Um gut angezogen zu sein, bedarf es zweier Schritte bzw. Ebenen. Erstens muss der Anzug „sitzen“, das heißt die Ärmel dürfen nicht zu lang sein, die Hose nicht zu weit usw. Die perfekte Passform ist hier entscheidend. Die zweite Ebene ist dann die Individualität. Hier kommt es z. B. auf die Ausgefallenheit der Stoffe, Muster und Farben an. 

Ihr Kleidungsstil wirkt sehr stimmig und stilsicher. Krawatte, Einstecktuch und farbige Socken können aber in der falschen Kombination auch unvorteilhaft aussehen. Welchen Ratschlag geben Sie deutschen Männern, die vielleicht mit der Kombination nicht so sicher sind?

Nur Mut. Schließlich geht es nicht darum, stets gleiche Kombinationen zu wählen, das heißt beispielsweise immer Krawatte und Pochette in einer identischen Farbe zusammenzustellen. Es braucht den Mut, Kontraste zu setzen – gerade auch, was Muster betrifft. Ein guter Freund von mir würde an dieser Stelle wohl Nam June Paik zitieren: „When too perfect, lieber Gott böse.“

Inzwischen gehören zur SIEGER Markenwelt nicht nur Porzellan, Accessoires, Anzüge, Blazer, Outdoor-Jacken und Mäntel, sondern seit vergangenem Jahr auch Teppiche. Sie arbeiten u. a. mit der Porzellanmanufaktur FÜRSTENBERG und dem Unternehmen Kupferoth Interiors zusammen. Selbst ein Auto haben Sie mal designt. Worauf können Ihre Kunden sich als nächstes freuen?

Zum einen haben wir zwischenzeitlich auch Damenaccessoires in die Kollektion aufgenommen, zum anderen denken wir darüber nach, den Bereich des gedeckten Tischs weiter zu komplettieren. 

Woher bekommen Sie die Inspiration für Ihre Kollektionen?

Kunst, Kultur, Reisen, Literatur – wir gehen mit offenen Augen durch die Welt. Ich bin viel, beispielsweise auf Messen, unterwegs, das bringt der Beruf so mit sich. Privat gehe ich gern ins Theater und besuche Ausstellungen. Inspiration finde und hole ich mir überall. Das Besondere an der Inspiration ist ja, dass sie nicht steuerbar ist. Eine Inspiration kann ein spezielles Erlebnis sein oder die Begegnung mit einem Menschen usw. 

Wir danken Ihnen für das Gespräch.

SIEGER Kollektion Holi:

SIEGER Kollektion Holi F/S 2014