Früher war vieles anders. Ob es auch besser war, sollen andere entscheiden. Aber wieviele Gedanken sich Männer im Jahr 1947 um den korrekten Look am See machten, hat uns beim Lesen des Artikels nachhaltig beeindruckt. So wie der Einfallsreichtum der damaligen Schneider. Zu allen abgebildeten Modellen waren Schnittmuster erhältlich – leider sind die in den vergangenen 69 Jahren verloren gegangen. Falls Sie beim Lesen auch Lust auf eines der Retro-Outfits bekommen, helfen unsere Maßschneider Ihnen sehr gern weiter, Anruf genügt. Viel Spaß bei der Lektüre!

Aus: Berlins Modenblatt, Sonderheft Nr. 3 „Der Herr“ für Frühjahr und Sommer 1947


Zu Luft und Sonne

 

(...) Die beste Erholung ist es, an Sonntagen oder Feiertagen einen in der Nähe liegenden See oder ein Flussufer aufzusuchen, denn zu einem richtigen Sommertag gehört nun einmal Wasser. Wer in den Morgenstunden sich in den Angelkahn setzt, braucht einen wärmenden Pullover mit Rollkragen, und wer einen Segelkahn auftreiben kann, wird bei etwas windigem Wetter gern einen gestreiften Blazer überstreifen. Da kaum anzunehmen ist, dass dieser gestreifte Stoff zur Hand ist, so sei verraten, dass auch einfarbige Stoffe sich dazu eignen. Bevorzugte Farben sind leuchtendes Blau, Weinrot oder Russischgrün. Nur müssen solche einfarbigen Jacken farbig bordiert und mit Knöpfen aus Metall oder Perlmutter ausgestattet werden, um sie von anderen Sportjacketts zu unterscheiden.

 

Für diejenigen, die Luft und Sonne nur im Liegestuhl im Garten genießen, gibt es kragenlose Wochenendjacken und bequeme Sommerjacken aus leichtem Stoff, deren Rückenteil sehr blusig gehalten ist und die zwei Seitenschlitze besitzen. Die kragenlose Jacke hat man früher etwas abfällig als simple Ärmelweste angesehen und sie nicht als vollwertig gewürdigt; seitdem sie aber mit Ringsgürtel getragen wird, hat sie kaum noch Ähnlichkeit mit einer Weste. Durch den Verzicht auf Kragen und Revers kann oft über dem dritten Knopf noch ein vierter hinzugefügt werden, dafür wird die Knopfzahl am Ärmel bis auf einen größeren Knopf verringert. Drei oder vier Knöpfe wie beim Stadtsakko wären hier durchaus fehl am Platze.

 

Das Badeleben gibt Gelegenheit, der Freude an Farbe und neuen Formen freien Lauf zu lassen. Statthaft ist fast ohne Ausnahme alles, und nur der Empfindsamkeit des Trägers ist es überlassen, hier die Grenzen zu fühlen. Das wichtigste Requisit ist die Badehose. Wer keinen einfarbigen Stoff dazu mehr besitzt, dem sei die durchaus ernste Kunde mitgeteilt, dass man in Amerika auch Badehosen für Männer mit Blumenmustern kennt. Also keine Scham und heraus mit den alten Gardinenresten. Auch für den Bademantel ist man nicht gebunden an gestreifte Frottéstoffe, man kann ebensogut einfarbige oder gemusterte, flanellartige Ware verwenden. Aus hellen Waschstoffen lassen sich gern die beliebten Buschjacken mit halben Ärmeln herstellen. In ihren großen Taschen kann man alles unterbringen, was man sonst auf die verschiedenen Anzugtaschen verteilt.

 

Zeichnungen: Gerd Grimm