Woran erkenne ich eine perfekte Krawatte?



Der Schnitt

 

Über den Ursprung der Krawatte streiten sich die Fachleute, er könnte bis zu den alten Römern reichen. Viele Quellen geben den Dreißigjährigen Krieg an, in dem die kroatischen Soldaten gebundene Tücher trugen, die die Franzosen dann „à la cravate“ betitelten. Sicher ist jedoch, dass nach Jahrhunderten der Formenvielfalt im Jahr 1924 der New Yorker Schneider Jesse Langsdorf die Krawatte erfand, wie wir sie heute kennen. Er kam auf die Idee, den Stoff für seine Schlipse diagonal und in drei Teilen zuzuschneiden. So fällt das Material viel eleganter, die Knoten wirken weicher, der Schlips hält länger. 1939 ließ sich Langsdorf seine Idee patentieren, noch heute werden die meisten Krawatten nach diesem Schnitt gefertigt. Haben Sie sich schon jemals gefragt, warum die Streifen Ihrer Krawatte immer schräg verlaufen? Jetzt kennen Sie den Grund.

 

Die Länge

 

Vor allem großgewachsene Männer kennen das Problem: Viele Krawatten sind zu kurz, selbst nach einem einfachen Knoten reichen sie nicht bis zur Taille. Einige Anbieter haben dafür überlange Krawatten im Programm (zirka 155-165 cm). Kleine Herren haben die gegenteilige Sorge: Für sie sind einige Schlipse zu lang. Deshalb sind zwei Dinge vor dem Kauf einer Krawatte zu beachten: Wie groß sind Sie und welchen Knoten bevorzugen Sie? Probieren Sie das neue Stück vor dem Kauf unbedingt aus, denn hier kommt es wirklich auf die Länge an. Die Spitze Ihrer Krawatte endet idealerweise kurz über dem Hosenbund beziehungsweise dem Gürtel.

 

Die Dicke

 

Welche Art Hemdkragen tragen Sie bevorzugt? Je weiter die Kragenecken voneinander entfernt sind, desto größer sollte der Knoten sein. Je nach eingesetztem Material variieren die Knotengrößen: Ist der Stoff recht dick, gerät selbst ein einfacher Knoten ziemlich massig, ist der Stoff dagegen eher dünn, sieht ein Four-in-Hand klein und schmal aus, für einen Windsorknoten dagegen ist es perfekt.

 

Die Breite

 

Die Breite einer Krawatte sollte zu Ihrem Oberkörper, Hals und Gesicht passen. Schlanke Männer werden von breiten Bindern optisch erschlagen, ein stämmiger Mann mit einer schmalen Krawatte wirkt ein wenig lächerlich. Normale Krawatten sind etwa acht bis neun Zentimeter breit, schmale kommen mit etwa sechs Zentimeter aus. Dass Schlipse mit Schrägstreifen ihre Träger schlanker wirken lassen, ist ein unbestätigtes Gerücht.

 

 

Das Material

 

Ein Schlips aus reiner Seide ist ein Muss in jedem Männerschrank. Seide hat einen edlen Glanz, einen eleganten Fall und einen angenehmen Griff. Lassen Sie die Finger von Viskose und Mischgewebe: Die sind zwar günstiger, aber man sieht ihnen ihren Preis leider auch an. Im Herbst und Winter stellen Wolle und Strick eine warme und zugleich gemütliche Alternative dar.

 

 

Das Muster

 

Es gibt eine alte Regel in der Männermode: Nicht mehr als drei Muster kombinieren. Bei Streifenhemd und Karojackett kann der gepunktete Binder ein Volltreffer sein. Oder auch nicht. Wer modisch ganz weit vorn mitspielen will, darf experimentieren. Alle anderen sollten lieber vorsichtig kombinieren: Bei offiziellen Anlässen und im Büro sind Sie mit dezenten, einfarbigen oder schlichten Punkte- oder Streifenkrawatten am besten beraten.

 

 

Die Naht

 

Handgenähte Krawatten sind das Beste, was Sie für Ihr Geld bekommen können. Achten Sie unbedingt auf die Längsnaht an der Innenseite: Auch wenn eine Nähmaschine am Werk war, muss die Naht flexibel sein. Sie kann dann beim Binden elastisch auf Ihr Zerren reagieren und ihre ursprüngliche Form wahren. Übrigens: Die kleine Schlaufe auf der Rückseite nennt man Passantino.

 

 

Die Einlage

 

Damit die Krawatte ihr Volumen und ihre Festigkeit erhält, wird in ihrem breiten Teil eine Einlage eingearbeitet. Sie verhindert auch, dass sich die Krawatte beim Tragen verdreht. Oberstoff und Einlage sollten gut aufeinander abgestimmt sein: Eine dünne, billige Seide mit einer dicken Einlage kombiniert soll Wertigkeit vortäuschen.

 

 

Die Pflege

 

Auch wenn Sie es morgens eilig haben: Binden Sie den Knoten behutsam und mit Gefühl. Es ist schonender für das Material und der Knoten gelingt besser. Nach dem Tragen lösen Sie immer den Knoten. So kann sich das Material erholen und die Krawatte bleibt länger in Form. Am besten rollen Sie sie auf – so entstehen keine Druckstellen. Und: Gönnen Sie Ihrer Krawatte öfter eine Ruhepause: Tragen Sie jeden Tag eine andere.



«Ein Mann ist soviel wert wie seine Krawatte. Durch sie enthüllt sich sein Wesen, in ihr manifestiert sich sein Geist. Der Geist des Mannes zeigt sich in der Fähigkeit, die Krawatte zu binden.»    Honoré de Balzac