Schlipse im Wandel der Zeit 

 

In einer Ausstellung im Landesmuseum Zürich steht jetzt der klassische Halsschmuck im Mittelpunkt. Die Schau „Die Krawatte. männer macht mode" lockt bis zum 18. Januar 2015 mit raren Exponaten in die Schweiz.

 

Seit mehreren Jahrhunderten binden sich Männer Krawatten um den Hals, erst ab den Siebzigerjahren ließ das männliche Interesse etwas nach. Doch in jüngster Zeit hat die Männermode die Krawatte wiederentdeckt: Befreit von Konvention und Dresscode greift die jüngere Generation wieder gern zur Krawatte – wenn auch oft in ironischem Kontext. Diese neu gewonnene Aktualität und die jüngst in die Sammlung des Schweizerischen Nationalmuseums aufgenommenen Textilbestände nahm man dort zum Anlass, der Krawatte in all ihren Facetten eine Ausstellung zu widmen. 

Von allen Seiten wird der Binder beleuchtet: von der historischen Entwicklung seit dem 17. Jahrhundert über seine Rolle in der Garderobe der Frau und in der Rockmusik bis hin zur Krawatte in Kunst und Literatur. Im Mittelpunkt stehen Exponate aus den Textilarchiven des Schweizerischen Nationalmuseums, die von den wichtigsten Krawattenstoff-Produzenten der Region Zürich stammen. Darüber hinaus sind zahlreiche Stücke aus internationalen Sammlungen zu sehen: seltene Krawatten aus der Rosenborg Collection in Dänemark und dem Victoria and Albert Museum in London, Krawattennadeln aus dem Musée des Arts décoratifs in Paris und Kunstwerke aus dem Museum of Modern Art in New York.


Krawatten im US-Wahlkampf
Krawatten aus dem US-amerikanischen Wahlkampf, 1930-1960. © Schweizerisches Nationalmuseum

 

Seltene und frühe Krawatten finden in Zürich ihren Platz: z. B. ein rares Exemplar aus venezianischer Nadelspitze (aus dem 17. Jahrhundert) und die Krawatte des dänisch-norwegischen Königs Christian VII. aus dem 18. Jahrhundert, die er bei seiner Krönung trug. Das 19. Jahrhundert überrascht mit erstaunlichem Formenreichtum und unzähligen Varianten von Krawattenknoten. Neben dem Betrachten historischer Beispiele kann sich der Besucher auch selbst im Knotenbinden üben.

Sogar Frauen, Punks und Künstler binden sich


Nicht nur Männer und ihre Krawatten werden dort gezeigt – ganz emanzipatorisch wird auch den Frauen Platz eingeräumt. Vielleicht bekannteste Krawattenträgerin war die Schauspielerin Marlene Dietrich, deren legendärer Smoking aus den 1930er-Jahren in Zürich zu sehen ist. Es geht sogar noch ausgefallener: Auch Punk- und Rockmusiker tragen häufig Krawatte, was anhand von Plattencovern in der Ausstellung demonstriert wird. Ebenso beleuchtet wird die Auseinandersetzung der Kunst mit dem Accessoire: Von Krawattenentwürfe bekannter Künstler wie Salvador Dalí und Pablo Picasso bis hin zu Stücken aus Andy Warhols privater Garderobe gibt es im Zürcher Landesmuseum allerhand Neues über das Phänomen Krawatte zu entdecken.

 

Einblick in die Krawattenausstellung
Krawattenentwürfe, Musterbücher und technische Zeichnungen der Zürcher Krawattenproduzenten aus den 1910er -1960er Jahren. © Schweizerisches Nationalmuseum


Die Krawatte. männer macht mode.
Landesmuseum Zürich
Museumstr. 2
8001 Zürich, Schweiz

Geöffnet bis 18. Januar 2015
Di – So: 10 bis 17 Uhr
Do: 10 bis 19 Uhr
An Feiertagen geöffnet

Krawattenausstellung in Zürich
Krawatten- und Stoffentwürfe internationaler Künstler, 1914-2013. © Schweizerisches Nationalmuseum


Foto ganz oben: 
Formentwicklung der Krawatte im ausgehenden 19. Jahrhundert von der breiten Regate zum heutigen Langbinder. 
© Schweizerisches Nationalmuseum