Der wohl berühmteste Schirmmacher der Welt heißt Francesco Maglia und stellt in einer kleinen Manufaktur in Italien heute in fünfter Generation schönste Schirme jeglicher Façon her. Sie gelten als das Feinste vom Feinen. Nicht nur bekannte Luxusmarken lassen bei Maglia fertigen. Inzwischen produziert diese renommierte Traditionsmanufaktur hauptsächlich unter eigenem Label.  Wir trafen Francesco Maglia zur Berliner Fashion Week, um uns mit ihm über das Geschäft mit dem Regen, die wiederentdeckte Wertschätzung von Qualität und die Kunst der Schirmherstellung zu unterhalten.

 

Italien heißt für uns Deutsche vor allem Sonnenschein. Wie begann in Ihrer Manufaktur das Geschäft mit dem Regen?

Unser Familienunternehmen wurde bereits 1854 gegründet. In Italien sind Regenschirme auch schon immer hergestellt worden. Noch vor 30 Jahren gab es über 150 italienische Schirmmacher mit großem Know-how. Das ist inzwischen aber fast komplett von den Chinesen übernommen worden. Mein Familienbetrieb ist heute eines der wenigen italienischen Unternehmen, die überlebt haben. Wir erhalten diese Kultur aufrecht, wo zu passenden Schuhen, Krawatte und feinem Mantel auch noch ein edler Regenschirm gehört. Meine größte Sorge ist, dass es in Zukunft keine Lieferanten mehr gibt, die meinen Betrieb beliefern können und meinen Ansprüchen gerecht werden. Das wäre eine Katastrophe. Denn ein schöner, hochwertiger Regenschirm ist einfach eine tolle Sache!

 

Gilt noch immer - der schwarze schwere Schirm für den Herren und der kleine feine verspielte für Dame? Oder ist der Schirm inzwischen Unisex?

Es gibt viele verschiedene Arten von Schirmen. Die einen dienen als Schutz vor Sonnenstrahlen, man kennt sie etwa aus den asiatischen Regionen. Die sind oft verspielt, bestehen unter anderem aus Bambus und werden bevorzugt von Frauen getragen. Die anderen Schirme gehören als eleganter Bestandteil zur Abendgarderobe und werden größtenteils von Herren in dunklen Nuancen bevorzugt. Heute werden Regenschirme aber auch in der Freizeit genutzt, so beispielsweise auf dem Land. Die Muster und Stoffe sind inzwischen eher ausgefallen und bilden oft Naturthemen ab. In meinen Kollektionen gibt es sogar welche aus Hirsch-, Steinbock- oder Wildschweinleder. Das ist etwas ganz Besonderes! Passanten staunen nicht schlecht, wenn sie an einem Schaufenster vorbeigehen und so einen Regenschirm sehen.  

 

Heute scheint ein schöner Schirm wieder in jede Garderobe zu gehören und nicht mehr nur das Wegwerfobjekt zu sein, das getrost bei der Post oder im Museum vergessen werden darf. Was ist passiert?

In China werden Regenschirme an jeder Ecke sehr günstig, für umgerechnet 80 Cent, verkauft. Der Trend hat sich auch in Europa durchgesetzt. So kostet ein Schirm heute im Durchschnitt weniger als 10 Euro. Da ist es egal, ob man ihn beim Verlassen eines Geschäfts mitnimmt oder einen fremden Schirm einsteckt. Dem Regenschirm wird von vielen Menschen leider eine geringe Bedeutung zugesprochen. Bei meinen Kunden ist es anders - meine Schirme werden von Menschen gekauft, die Freude an schönen Dingen haben. Sie werden manchmal wie das Accessoire eines feinen Möbels inszeniert und zu Hause im Schirmständer „ausgestellt“!

 

Ihre Schirme werden in traditioneller Handarbeit gefertigt. Wie lange dauert es, einen echten Regenschirm - handmade by Francesco Maglia - herzustellen? 

Das ist sehr unterschiedlich. Es sind 75 bis 80 Schritte notwendig, um einen Regenschirm anzufertigen. Jeder dieser Schritte wird von Mitarbeitern mit unterschiedlichen Aufgabenbereichen durchgeführt. Das braucht natürlich viel Zeit.

 

Ist die Kunst der Schirmherstellung mit der eines Maßschneiders vergleichbar? 

Auf jeden Fall! Es gibt Kunden, die zu mir kommen, um drei spezielle - man könnte auch sagen: maßgeschneiderte - Schirme zu bestellen. Dann bereite ich eine kleine Auswahl von Stoffen und Griffen vor, zwischen denen der Kunde auswählen kann. Selbst die Größe kann zwischen 50 und 75 cm individuell bestimmt werden. Die Größe ist übrigens stark länderspezifisch. So bevorzugt eine Dame aus Japan eine kleine Größe von 50 cm, der Herr eine Größe von maximal 63 cm. Nicht größer. Die Japaner sind ja auch eher klein. Sie sollen schließlich nicht wie eine ‚Mary Poppins’ davonfliegen!

 

Manufakturen und Handarbeit sind heute wieder gefragt. Wie erleben Sie diese wiederentdeckte Wertschätzung von Qualität? 

Ich denke, dass den Menschen heutzutage nicht nur der Markenname wichtig ist, sondern auch die Herstellungsweise. Schilder mit der Aufschrift „Made in Bangladesh“ werden ungern gesehen. Das liegt an den aktuellen Skandalen. Ich hoffe, dass sich das Bewusstsein hier weiterentwickelt und das alte Handwerk einen noch stärkeren Aufschwung erlebt.

 

Was war der aufwendigste Schirm, den Sie je angefertigt haben? 

Alle meine Schirme werden gleichermaßen aufwendig hergestellt. Was sich stark unterscheidet, sind die einzelnen Bestandteile, die sich die Kunden speziell aussuchen. So machen Bambus- oder Silberkrücken, eine Vielzahl von Griffen und Stoffen als auch verschiedene Größen jeden Schirm zu etwas Besonderem!

 

Wer leistet sich heutzutage einen Schirm für mehrere hundert Euro?

Die Geschichte der Schirmfachgeschäfte hat in Deutschland, der Schweiz, Österreich und Belgien angefangen. Von dort stammten auch immer meine wichtigsten Kunden. Die Zahl der Fachgeschäfte ist aber stark zurückgegangen. Heute liegt mein Fokus auf Herrenausstattern. Eine Damenkollektion und Knirpskollektion habe ich ebenfalls. Die Frauen gehen allerdings eher mit der Mode. Es sind somit die Herren, die meine Regenschirme am meisten schätzen und am häufigsten kaufen.

 

Regen ist nun ja nicht das schönste Wetter - warum nehmen wir eigentlich den Schirm so positiv als gleichermaßen klassisch elegantes wie charmantes Objekt wahr?

Der Mensch zeigt gern, was er hat. Ein besonders schöner Regenschirm kann für Staunen sorgen! Einmal war ich mit roten Schuhen und einem Schirm mit Griff aus gelbem Leder unterwegs. Einfach jeder hat mich angeschaut! Einen schönen Schirm bemerken die Menschen immer. Der ist einfach so selten zu sehen! Das finde ich persönlich sehr schade. Für Schuhe gilt übrigens das Gleiche! 

Schirme von Francesco Maglia finden Sie in unserer Düsseldorfer Filiale.