Sein Look: elegant und extravagant

 

Er gilt als einer der bestgekleideten Musiker der Welt. Den Look des Superstars gibt es jetzt sogar im Museum zu bewundern: David Bowie hat es vom Popsänger in die Hochkultur geschafft. Nach London zog die Ausstellung jetzt nach Berlin: ein multimediales Spektakel, das sich nicht nur für Fans lohnt. XUITS war vor Ort. 

Man nennt ihn das Chamäleon des Pop: In den 50 Jahren seiner Karriere hat David Bowie oft seinen Look und musikalischen Stil gewechselt, dem Mainstream war der Engländer dabei immer ein wenig voraus. Jetzt würdigt eine multimediale Ausstellung im Berliner Martin-Gropius-Bau sein kreatives Schaffen.

Die Karten haben wir online am Tag zuvor bestellt; die Schlange vor der Kasse bestätigt unsere Entscheidung. Am Eingang hängen wir uns den Audioguide um (im Preis inklusive), gleich mit dem Eintreten beginnt die Show. Ohne Knöpfchen drücken zu müssen, erklingt im Kopfhörer der passende Ton zum betrachteten Objekt. Museum modern. Die Abteilung mit der Kindheit von David Robert Jones, wie Bowie eigentlich heißt, durchqueren wir schnell, aber kurz darauf bremst uns die erste große audiovisuelle Installation zu den Anfängen seiner Karriere in den Sechzigern. Interessant und unterhaltsam, aber viel Input gleichzeitig: Bowie flüstert in unsere Ohren, während wir die Bilder betrachten und die ausführlichen Anmerkungen lesen. Wer Bowies englische Originalkommentare nicht versteht, kann sie als Projektion über der Bühne nachlesen.

 

Sänger, Schauspieler, Maler, Stil-Ikone: Er scheint einfach alles zu können

 

Weiter in den nächsten Raum: „Space Oddity“, die Geschichte vom Astronauten Major Tom war Bowies erster Chart-Hit in Großbritannien. Schon da zeigte sich Bowie seiner Zeit voraus: Die Single erschien noch vor der ersten Mondlandung 1969. Weiter zu Ziggy Stardust, dem androgynen Glamrock-Paradiesvogel von 1972. Kostüme diverser Touren folgen, international bekannte Designer wie Alexander McQueen, Thierry Mugler und Kansai Yamamoto entwarfen für den schlanken Musiker. Hedi Slimane gab im Nachhinein zu, seine berühmten Skinny-Anzüge für Dior von Bowies Outfits Anfang der Siebziger abgeschaut zu haben. Im größten Raum stürzen wir uns auf die Sitzplätze, von denen man sich bequem die Ausschnitte verschiedener Live-Auftritte auf allen vier Wänden ansehen kann. Hier dröhnen auch die Lautsprecher, die Kopfhörer sind überflüssig. 

 

Umso mehr braucht man sie im kleinen Kinosaal, gegen die Lautstärke von nebenan heißt es genau hinhören, wenn Bowies Ausflüge in die Schauspielerei in einem kurzen Medley gezeigt werden. So sehen wir ihn zum Beispiel als Major in „Merry Christmas, Mr. Lawrence“, in „Der Mann, der vom Himmel fiel“ und in „Basquiat“ als Andy Warhol. Ein schöner Einblick, den man sich unbedingt ansehen sollte. In den nächsten Räumen folgen Bowies Jahre in Berlin. Zusammen mit Iggy Pop wohnte er im Bezirk Schöneberg, in den Hansa-Tonstudios nahm er drei Alben auf, seine deutsche Version von Heroes schwebt akustisch durch den Raum. Mit Marlene Dietrich spielte Bowie in „Schöner Gigolo, armer Gigolo“, aber ihr ausgestellter Briefwechsel lässt erkennen: Sie haben sich bedauerlicherweise nicht persönlich kennengelernt.

 

Da hatte Marlene Pech: Wir jedenfalls bekommen immer mehr das Gefühl, David Bowie persönlich kennengelernt zu haben. Er gilt als einer der einflussreichsten Künstler der jüngeren Musikgeschichte und selbst als (noch) Nicht-Fans können wir das nachvollziehen. Sein kreatives Output und seine Offenheit für alle Künste sind beeindruckend. Am Merchandising-Stand begründen wir unsere neue Bowie-Leidenschaft. Und für den Rest des Tages habe ich „Blue Jean“ im Ohr.  




Die Ausstellung wurde bis zum 24. August 2014 verlängert.

Und hier fand sie statt:
Martin-Gropius-Bau
Niederkirchnerstraße 7
10963 Berlin

Druck eines Selbstportraits David Bowie
Druck eines Selbstportraits von David Bowie, 1978

Courtesy: The David Bowie Archive

Foto © Victoria and Albert Museum

 



Foto ganz oben: 
“Heroes“ Contact Print (Piece No. 32), 1977, Foto: Sukita © Sukita / The David Bowie Archive